criminalis                                     Dr. Dorothea Puschmann
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Kommentare - Meinungen

 

Eine Zugfahrt, die ist lustig

Sagen Sie, habe ich Ihnen schon von unserer nächtlichen Urlaubsfahrt bei absolut tropischen Temperaturen in einem Schlafwagenzug berichtet? Als der Schaffner plötzlich nicht mehr aufzufinden war? Die Toilettentüren wegen verstopfter Rohre verschlossen werden mussten, die Klimaanlage ausgefallen war, und der anhängende Zugteil, der mit unseren Autos darauf, an einer Gleiskreuzung eigenmächtig eine andere Route genommen hatte? Und wie das oft so ist mit einer Klimaanlage, kann man dann kein Fenster mehr öffnen; es besteht nicht der Hauch einer Chance für einen Luftzug. Geschlossen. Geschlossene Gesellschaft könnte man sagen. Da bekommt eine solche Bezeichnung eine ganz neue Bedeutung. Einzig der Schaffner verfügt über diesen kleinen speziellen Schlüssel zum Öffnen der Fenster, aber der war ja eben nicht auffindbar, der Schaffner. Irgendwann rief einer gurgelnd nach einem Nothammer! Der Mann war schweißüberströmt und bereits gefährlich blau im Gesicht. Ich gab ihm höchstens noch drei Minuten. Da es mir bei der gnadenlosen Hitze selbst mehr schlecht als recht ging, ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte, würde von meiner Seite keine Hilfe kommen. Eventuell von Max; er sah erstaunlicherweise noch ganz gut aus. Er ist eben mehr der südländische Typ; diese Menschen können eine Menge Hitze und damit verbundene Unbilden vertragen. Plötzlich schrie eine der weiblichen Mitreisenden im übernächsten Schlafwagenabteil: »Ich hab ihn!« Was war passiert? Der Zugbegleiter war wohl beim Herrichten eines Bettes in die Gurte geraten und hatte sich ganz übel darin verheddert, vermutlich aus Schwäche. Seine ungeschickten Befreiungsversuche hatten das Ablösen eines Brettes über ihm zur Folge gehabt, das Brett wiederum hatte dem Zugbegleiter einen Schlag auf den Kopf versetzt, woraufhin er das Bewusstsein verloren haben musste- und der Bettkasten hatte sich wieder geschlossen, mit dem Schaffner darin. Während der unglücklichen Aktion hatte sich der kleine Schlüssel zum Öffnen der Fenster selbständig gemacht und war wohl in die unergründlichen Tiefen des Schlafwagenabteils gerutscht. Die ausgiebige Suche in den Jacken- und Hosentaschen des Schaffners brachte jedenfalls keinen Erfolg. Die Dame, die den Unglücklichen entdeckt hatte, versuchte daraufhin- doch diese Details will ich Ihnen lieber ersparen.  »Was reisen Sie auch in fernen Ländern mit tropischer Gluthitze umher?«, wurden wir später gefragt.    »Weit gefehlt. Es geschah in Deutschland, und wir fuhren in Richtung München.« »Zur Pionierzeit der Lokomotive?«, wurde ich weiterhin gefragt. »Ich muss schon sehr bitten! Die Reise hat mich zwar enorm mitgenommen, und die Spuren bleiben eben leider eine Weile erhalten, aber ganz so alt bin ich doch noch nicht. Außerdem gab es in der Pionierzeit weder Klimaanlagen noch Autoreisezüge.« »Ob es sich um eine der Sonderaktionen der Bahn gehandelt hat? Natürlich zum Sonderpreis? Mitnichten, sage ich Ihnen. Doch den Preis für das Unterfangen behalte ich lieber für mich, abenteuerlich. Sie würden es ohnehin nicht für möglich halten.« dp

 

Kleine Welt am See - ein gutes Beispiel

»Damals war FKK noch etwas Besonderes«, erklärt die alte Dame versonnen und meint ihre nun bald 60jährige Mitgliedschaft im sehr sportlich orientierten Verein BFFL-Hannover e. V. , der seinen Sitz an einem herrlichen See im hannoverschen Wald- und Moorgebiet hat. Im Internet betrachte ich die reizvollen Details der großen Nah-Erholungsanlage (www.bffl.hannover.de). Meine Gesprächspart- nerin wird im Sommer 85 Jahre alt. Noch immer verbringt sie alle Tage bei gutem Wetter, und wenn es die Gesundheit zulässt, auf dem FKK-Gelände, das ihr lange verstorbener Gatte Mitte der Fünfziger Jahre  des zwanzigsten Jahrhunderts mitbegründete und ausbaute. Damals zählte der Verein 4000 Mitglieder, heute nur noch ca.1000, weil FKK möglicherweise nichts Besonderes mehr ist. Fünf Frauen zwischen 75 und 85, alle immer noch sehr rüstig, sind es, die seit etlichen Jahrzehnten der Weltan- schauung der Freikörperkultur frönen. Sie fühlen sich so wohl miteinander, dass sie auch ohne ihre Ehemänner, die alle inzwischen verstorben sind, noch immer sehr gern soviel Zeit wie möglich in ihren Wohnwagen mit Vorzelten verbringen. Im Frühjahr helfen sie sich gegenseitig, die Winterspuren zu beseitigen, kochen miteinander und genießen die Angebote des Vereins, der für die Senioren natürlich spezielle Unternehmungen anbietet. Weil das Autofahren nicht mehr jeder aus dem kleinen Kreis möglich ist, sorgen die verbliebenen fitten Autofahrerinnen dafür, dass alle mobil bleiben. Eine der fünf Frauen übernachtet den ganzen Sommer über im Wohnwagen, die anderen kehren abends in ihre Stadtwohnungen zurück. Seit einem Jahr gibt es auf dem Gelände für die Wohnwagenbesitzer elek- trischen Strom, sodass auch Kühlschränke betrieben werden können. Das Fernsehen war über Solar- strom schon lange möglich.                                                                                                                                               Diese kleine Welt am See motiviert die alten Damen zu gemeinsamen Aktivitäten. Sie teilen Freud und Leid miteinander und sind ein Beispiel für das Gelingen eines guten sozialen Miteinanders bis ins hohe Alter. Christina Brinkmann, 12.4.2010

                                                                                                                                                                                                         Schach dem Volk

Leben wir nun eigentlich in einer Demokratie oder nicht? Vielleicht ist das deutsche Volk noch nicht reif oder gar ungeeignet für eine Demokratie?                                                                                                           Erinnern wir uns: Mit Demokratie meint das Grundgesetz die Staatsform, in der das Volk die Herrschaft innehat. Für die Verwaltung des Staates wählt es Volksvertreter, die selbstverständlich dauernd kon- trolliert werden müssen, die abgewählt werden können. Das Volk darf sogar beim Verfassungsgericht seine Rechte einklagen. Unsere Politiker machen sich auf feudalistische Art mit zunehmend arro- gantem Machtgehabe die Bürger untertan, lähmen sie mit Schreckensnachrichten, als da z.B.  sind:     Die Gesundheitsreform, die zu weit ausufernder medizinischer Unterversorgung führt. (Wollen wir wirklich den Anschluss an ein globales Niveau von Kindersterblichkeit und Seuchen?)                                  Die Rentenreform, die schlicht einen Betrug an den Bürgern bedeutet und bereits in wenigen Jahren zu einer unbeschreiblichen Altersarmut führen wird und einen erschreckend hohen Prozentsatz der Be- völkerung betrifft (Diätenerhöhungen und entsprechende Altersversorgung bleiben dagegen von Re- formen unbehelligt).                                                                                                                                                               Die Überwachung des Bürgers in seiner privaten Sphäre. Telefon und Internetanschluss werden ab- gehört bzw. überwacht. Arzt- und Bankgeheimnis z.B. gehören der Vergangenheit an. Eine Kontrolle der Volksvertreter durch das Volk ist nur möglich, wenn jeder mündige Bürger seinen aktiven Part im de- mokratischen Staatswesen erfüllt. Die gewählten Politiker kann man nicht vertrauensvoll agieren lassen. George Orwell verkündete mit seherischen Fähigkeiten schon 1945 in seiner Satire ‚Animal Farm’: Some are more equal than others! Machtmissbrauch ist wohl im Menschen angelegt. Desto wichtiger ist es, dass die Masse der Bevölkerung sich ihrer Kraft bewusst ist und handelt. Sich mit Brot und Spielen- in welcher Variante auch immer- abspeisen zu lassen, zeugt von absolut infantilem Ver- halten. Und aus der Kindererziehung ist hinlänglich bekannt, dass Ruhigstellung allein zu Verhaltens- störungen führt.                                                                                                                                                                     Wo ist die einstige Kraft der Gewerkschaften geblieben? Warum gibt es keine Menschenketten, die bundesweit auf Unrecht aufmerksam machen? Wir fahren überallhin, nur nicht ins Regierungsviertel von Berlin, um als Bürger aufzumarschieren. Unsere Aktivität und Kreativität als Volk ist dringend gefragt, sonst setzen unsere Politiker ihre Knebelstrategie ungehindert fort. Christina Brinkmann

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Zum Stand der Gleichstellung von verpartnerten Beamten (Hinterbliebenenversorgung) mit ihren verheirateten Kollegen ergibt sich Mitte 2010 folgendes Bild; die Gleichstellung gilt bisher nur für verpartnerte Beamte der Länder:

Hamburg, ab dem 01.08.2001                                                                                                                                    Berlin, ab dem 03.12.2003                                                                                                                                      Bremen, ab dem 01.12.2007                                                                                                                            Brandenburg, ab dem 01.01.2008                                                                                                                                    Mecklenburg-Vorpommern, ab dem 01.07.2008                                                                                              Saarland, ab dem 12.12.2008                                                                                                                                            Rheinland-Pfalz, ab dem 01.10.2009                                                                                                                            Hessen, ab dem 1.03.2010                                                                                                                                                   Schleswig-Holstein, ab dem 1.06.2010

In anderen Ländern, also auch in NRW, wird immer noch diskutiert.

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Wir trauern um eine liebe Freundin                                                                                                               Am 18. Februar 2010 ist Monika Gerstendörfer im Alter von nur 53 Jahren gestorben. Die Lücke, die diese mutige, tapfere und überaus engagierte Frau hinterlässt, ist nicht zu schließen. Monika erlag nicht nur einer heimtückischen Krankheit – sie zerbrach an der schweren Bürde ihrer Arbeit im ständigen Kampf gegen Dummheit, Frechheit und Ignoranz.                                                                                            Monika Gerstendörfer, Dipl.-Psychologin, Menschenrechtlerin und freie Autorin (’Der verlorene Kampf um die Wörter: Opferfeindliche Sprache bei  sexualisierter Gewalt’), studierte Sprachwissenschaft, Psychologie und Psycholinguistik. Sie arbeitete zunächst in der Wissenschaft und seit nunmehr 15 Jahren aktiv in Menschenrechtsorganisationen (Terre des Femmes e.V., Deutscher Akademikerinnen- bund, Forum Menschenrechte, Lobby für Menschenrechte e.V.) im “Observatory against Violence on Women“ der Europäischen Frauenlobby, im Europarat und als Sachverständige bei Anhörungen auf EU-, Bundes- und Landesebene. 2005 wurde sie mit “1000 Women for Peace“ für den Friedensnobel- preis nominiert. Monika Gerstendörfer hat auch unter den Pseudonymen Franziska Kelly und Tara Tamon veröffentlicht. Mehr unter: www.anti-kinderporno.de/monika_gerstendoerfer/index.php

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Weltnaturerbe Wattenmeer’ wird komplett (23.2.2010)

Der Hamburger Teil des ’Weltnaturerbe Wattenmeers’ rund um die Inseln Neuwerk und Scharhörn macht mit seinen 137 Quadratkilometern 1,4 Prozent der Gesamtfläche aus. Bisher hatte sich Hamburg gegen die Ausweisung gesperrt, um die geplante Vertiefung der Elbe nicht zu gefährden. Die UNESCO selbst habe jedoch bereits erklärt, dass Maßnahmen zur Erweiterung der Seeschiffahrts- straßen in den Flussmündungen auch nach einer Anerkennung möglich seien. Damit stehe einer Anmeldung bei der UNESCO nichts mehr im Weg, erklärte Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU). Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL) begrüßte das Vorhaben. Eine Anerkennung des Hamburger Nationalparks als Weltnaturerbe unterstreiche die herausragende ökologische Bedeutung des Wattenmeeres.

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Dem Gewissen verpflichtet. Zum Rücktritt von Margot Käßmann.

Man kann es drehen wie man will, zurück bleibt ein großes Bedauern über den Rücktritt der 52-jährigen Landesbischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland.                            Margot Käßmann, seit 2007 von ihrem Mann, dem Pfarrer Eckard Käßmann geschieden, Mutter von vier Töchtern, hat schon so manchen politischen und religiösen „Stolperstein“ überstanden, wurde immer wieder vielstimmig aus konservativen Kreisen wegen ihrer linksgerichteten, unkonventionellen und manchmal recht forschen Gesinnung mehr als kritisch kommentiert. Deutliche Ablehnung schlug ihr nicht nur gleich bei ihrer Wahl 1999 zur Bischöfin Hannovers entgegen („Ob eine vierfache Mutter einem solchen Amt überhaupt gewachsen sein könne?“), wegen ihrer Kritik an der katholischen Kirche und deren Haltung zum Beispiel Homosexuellen gegenüber, ihrer Forderung, Frauen zum Priesteramt zu- zulassen, den Zölibat abzuschaffen, und nicht zuletzt wegen ihrer deutlichen Worte in ihrer Weihnachts- predigt 2009 bezüglich des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan („Nichts ist gut in Afghanistan. All die- se Strategien, sie haben uns lange darüber hinweggetäuscht, dass Soldaten nun einmal Waffen be- nutzen und eben auch Zivilisten getötet werden. (…) Aber Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden in Afghanistan. Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen…“) wehte ihr ein ziemlich scharfer Wind ins Gesicht. Obwohl sie mit Sicherheit nur das ausgesprochen hat, was viele von uns denken.                                                                                                         Im Sommer 2006 überstand Margot Käßmann eine Brustkrebs-Operation. Mit dieser heimtückischen Erkrankung ist sie ganz offen umgegangen. „Mir war klar, ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“ Vielen Frauen wird sie mit ihrer Haltung Mut gemacht haben. Und ausgerechnet diese Frau, mehrfach gewürdigt (u. a. 2008 mit dem großen Bundesverdienstkreuz), stolpert über dieses unsägliche Delikt der Trunkenheit am Steuer, einer schweren Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, also wirklich keine Lappalie, auch kein Kavaliersdelikt (obwohl gerade Letzteres doch einmal für Männer ein so weites Feld darstellte. Und noch weiter: Mein erster Gedanke war, als ich die Mitteilung hörte, ob Margot Käßmann nicht womöglich Opfer einer Intrige geworden ist.)                                                                                   In ihrer Abschiedsrede am 23. Februar sagte sie unter anderem, es täte ihr leid, jetzt die enttäuschen zu müssen, die für ihren Verbleib im Amt plädiert hätten. Nicht nur der Rat der EKD hatte ihr spontan Rückendeckung gegeben und ihr sein Vertrauen ausgesprochen, ich bin sicher, auch sehr viele Bür- ger, Frauen wie Männer, hätten sich gewünscht, die sympathische Landesbischöfin und Ratsvorsit- zende hätte sich nicht gezwungen gesehen, ihre Ämter aufzugeben. Sie war eben sehr viel mehr, als Positionen und Stellen auszudrücken vermögen: Ein verehrungswürdiger Mensch.                                       Hut ab vor dieser Frau und ihrer Gradlinigkeit, die sie nicht nur beinah bedingungslos von anderen, sondern auch von sich selbst fordert. Aber es bleibt auch das unendliche Bedauern, dass einmal mehr eine herausragende Persönlichkeit, eine große Frau ihre Ämter aufgibt. Nur eine einzige Schwäche in der Selbstdisziplin ist ihr zum Verhängnis geworden. Im Grunde etwas sehr Menschliches.          Dorothea Puschmann, 1. März 2010     

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Bitte unterstützen Sie die großartige Arbeit, die in diesen Organisationen und Vereinen geleistet wird:

www.lobby-fuer-menschenrechte.de                                                                                                                                   www-weisser-ring.de                                                                                                                                                              www.attac.de    

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